Die Schatztruhe
Dieses Werk entstand 1982 — in dem Jahr, in dem Herbert Mitterlehner seinen Künstlernamen Kerber wählte. Die Truhe ist kein dekoratives Objekt. Sie ist ein in Holz geschriebenes Bekenntnis: zur Herkunft, zum Glauben, zur Freiheit — und sie trägt ein verborgenes Geheimnis im Innern.
Auf den ersten Blick sieht man Wappen und religiöse Symbole. Links das Wappen von Bad Zell, rechts das Wappen von Oberösterreich. In der Mitte: das IHS-Monogramm — und darüber die zerbrochene Kette mit Hammer und Sichel. Am Sockel die Jahreszahl 1982.
Wer genauer schaut, entdeckt eine politische und menschliche Aussage: Das Volk hat durch Fleiß und Arbeit seine Ketten gesprengt. Freiheit durch eigene Hände.
Der Wolf – das verborgene Geheimnis
Im goldenen Innern der Truhe liegt ein Wolf — der Kompaniewolf. Wer ihn sieht, ist „auf den Hund gekommen": beinahe pleite. Aber der Wolf hat eine Geschichte, die weit über die Truhe hinausgeht.
Mit 27 Jahren entschied sich Herbert Mitterlehner, Zeitsoldat in Österreich zu werden. Er wurde in der Tylli Kaserne in Freistadt stationiert. Für den Unteroffizier-Anwärter-Kurs ging es in die Hiller-Kaserne nach Linz/Ebersberg, zur 4. Kompanie. Sein Kompaniekommandant wusste, dass Herbert schnitzen konnte — und bat ihn, in seiner Freizeit ein Wolfsschild für die Kompanie zu schnitzen.
Herbert sagte zu — unter einer Bedingung: Der Kommandant musste den Wolf selbst zeichnen. Aus dieser Zeichnung entstanden drei Wölfe. Zwei für die Kaserne. Und einen kleinen, der seither im goldenen Innern der Schatztruhe lebt und sie bewacht.
„Mein Leben ist Erleben — und nicht nachgesprochene Bildung."